...Otteriges

Biologie

Steckbrief

  • Gehört zur Familie der Marderartigen
  • 100-140 cm lang, Weibchen 4-8, Männchen 8-12 kg schwer
  • Semi-aquatische Lebensweise:
    lebt im Wasser und an Land
  • Anpassung ans Wasser
    schlanker langer Körper, flacher Kopf, kurze Beine, Schwimmhäute, sehr dichtes Fell
  • Nahrungsoppurtunist
    frisst alles an Beutetieren, was ihm vor die Schnauze kommt

Ein flinker Wassermarder

Der Fischotter (lat.: Lutra lutra) gehört innerhalb der Ordnung der Raubtiere zur Familie der Marderartigen. Er ist der längste (100-140 cm Gesamtlänge, mit Schwanz) und nach dem Dachs der zweitschwerste einheimische Marder. Die Männchen (auch Rüden genannt) sind mit ihren 8-12 kg schwerer als die Weibchen (auch Fähen genannt) mit ca. 4-8 kg Körpergewicht.

Der Fischotter ist der am besten an das Leben im Wasser angepasste Marder in unseren Breiten. Um im Medium Wasser wendig und flink zu sein, hat er einen stromlinienförmigen Körper, kurze Beine und Schwimmhäute zwischen den Zehen. Die kräftigen Vibrissen (Schnurrhaare) helfen ihm bei der Jagd. Auch das Herz und die Lunge des wendigen Marders sowie der Stoffwechsel und die Blutkörperchen haben sich an eine leistungsfähige Jagd unter Wasser angepasst.

Sein sehr dichtes Fell (mehr als 50.000 Haare pro cm2 - der Mensch hat 120 Haare pro cm2) hilft im, auch ohne eine Fettschicht, wie sie Meeressäger meist haben, nicht auszukühlen. Die dichte Unterwolle verhindert, dass Wasser auf die Haut gelangt. An Land können die Tiere sogar auf dem Eis schlafen, indem sie sich "zusammenringeln".



Photo by Jiri Bohdal (www.naturfoto.cz)
Bild: "Tauchender Otter"
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Photo by Libor Votocek (www.naturphotogallery.com)
Bild: "Otter beim Auftauchen"
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Photo by: Dr. Katrin Ruff
Bild: "Otter auf dem Eis"

Der Jäger

Der Otter ist ein Stöberjäger, er sucht also aktiv seine Beute im Gegensatz zum Lauerjäger. Er Untersucht die Ufer, stöbert in Höhlungen und Unterschlupfen herum. Bei der Jagd unter Wasser helfen ihm seine Augen, bei trübem Gewässer verlässt er sich auf seine Vibrissen. Er bringt es auf Tauchgeschwindigkeiten von 7 km/h und mehr (weshalb ein Otter einer gesunden flüchtenden erwachsenen Forelle im natürlichen Biotop auch nicht hinterher kommen kann).

Die Tauchzeit kann in extremen Situationen bis zu 7 Minuten betragen. Meist taucht der Otter aber nur 1-2 Minuten. Der Schwanz dient beim schwimmen und tauchen nicht als Ruder oder Antriebsorgan, er verbessert nur die Stromlinienform des Körpers und verringert Wasserverwirbelungen.

Kein Feinschmecker

Anders als sein Name es andeutet, ist der Fischotter kein ausschließlicher Fischspezialist. Er nimmt alles, was ihm vor die Schnauze schwimmt. Das schließt nicht nur Fisch ein, sondern auch Amphibien, Reptilien, Säugetiere (z.B. Ratten und Mäuse, Bisam, bis zum Kaninchen), Insekten (Wasserkäfer, Regenwürmer, usw.), Vögel und Krebse. Wieviel von welcher Sorte hängt vom Angebot im Lebensraum ab und ist daher vollkommen variabel, abhängig von der Beutetierzusammensetzung vor Ort und natürlich davon beeinflusst, wie leicht die Beute zu erjagen ist. Sein Speiseplan ändert sich aber auch saisonal, z.B. während der Amphibienwanderung oder bei zugefrorenem Gewässer. Lutra lutra frisst meist sein Beutetier komplett, nur bei großen Beutetieren bleiben regelmäßig reste zurück. Und spezielles wie die giftige Haut der Kröten (Kröten wird vor dem fressen die Haut durch umstülpen ausgezogen) oder Hechtschädel (spitze Gaumenzähne) werden nicht angerührt.

Etwas wählerisch muss aber auch ein Otter sein. Selbst wenn er z.B. mit einer Kapfenteichanlage in enger Hälterung und ohne Schutzmaßnahmen ein Fangparadies geboten bekäme, er könnte sich rein physiologisch nicht von 100% Karpfen ernähren (er enthält das Enzym Thiaminase, welches das Vitamin B6 zerstört; der Otter würde an der Chastekschen Paralyse sterben). Also ist für das Wildtier Otter ein abwechslungsreicher Speiseplan auch bei leichten Fangbedingungen lebensnotwendig.

...und wie groß beliebt der Beutefisch zu sein?

Früher wurde dem Otter nachgesagt, er würde nur die "besten Zuchtfische" vertilgen. Durch die äußerst zahlreichen Untersuchungen an Otterkot, welche für ganz Europa und die unterschiedlichsten Biotope durchgeführt wurden (auch in Lebensräumen mit Teichanlagen), weiß man, dass die am häufigsten gefressene Fischgröße bei bis 10cm, gefolgt von der Größenklasse 10-20cm, liegt. Vermutlich weil diese nicht nur den größten Biomasseanteil stellen, sondern - zumindest in den meisten Gewässertypen, auch am leichtesten zu erbeuten sind.

Wieviel darf`s heute sein?

Die Nahrungsmenge, welche der Otter täglich benötigt, hängt natürlich ganz vom Energiegehalt der Nahrung ab. Ein fetter Aal bringt mehr Kalorien als mageres Froschfleisch und schraubt die benötigte Grammzahl an Nahrung pro Tag nach unten. Wichtig ist auch der überhaupt verwertbare Anteil des Beutetieres. Dieser liegt z.B. beim Beutetier Maus viel höher als dies beim Krebs der Fall ist. Und der Fischotter ist im Gegensatz zu vielen anderen Raubtieren ein schlechter Verwerter. Im groben Mittel benötigt ein durchschnittlich großes Weibchen ca. 500-900 g pro Tag, ein durchschnittlich großes Männchen 800-1200 g pro Tag.

Wer es ganz genau ausrechnen möchte:
Weibchen -> 740 Kilojoule pro Kilogramm metabolische Körpermasse pro Tag; Männchen -> 700 Kilojoule pro Kilogramm metabolische Körpermasse pro Tag (metabolische Körpermasse = Körpermasse in kg x 0,75)

Oft wird dem Otter ein legendärer "Blutrausch" nachgesagt, er würde mehr Fische töten, als er zum leben benötigen würde. Tatsächlich kann so etwas in unnatürlichen Bedingungen vorkommen, wie z.B. in solchen Teichwirtschaften, in welchen Fische eng gehältert werden und welche nicht vor Beutegreifern wie dem Otter (auch Mink, Iltis, Fuchs und Co bedienen sich) durch Abwehrmaßnahmen geschützt sind. Kommt ein unerfahrener Otter zu einer solchen Hälterung und kennt so etwas nicht, kann das permanente Fluchtverhalten der Fische den Jagdtrieb des Otters über seinen Hunger hinaus auslösen.

In freier Wildbahn kann solch ein "Blutrausch" nur unter sehr seltenen Umständen ausgelöst werden, z.B. wenn ein Bachlauf im Sommer austrocknet und sich die Fische in verbleibenden Restwasserstellen konzentrieren (was selten vorkommt). Der Otter fischt keine Gewässer leer, seine Jagd ist - wie bei den meisten Raubtieren - bestimmt vom Misserfolg. Immer entkommen ihm genügend Beutetiere, damit kein Bestand gefährdet wird. Der Otter ist bei den meisten Fischarten "die Gesundheitspolizei" des Gewässers, viele Arten sind im gesunden Zustand schlicht zu schnell für den Wassermarder. Durch seine großräumige und unstete Lebensweise verweilt der Otter auch selten über lange Zeiträume an einem Ort, was eine lokale Überbeanspruchung von Beutetieren vermeidet.

Lebensweise und Reviere:

Der Otter ist ein Einzelgänger, anders als dies bei vielen anderen Otterarten der Fall ist, welche oft in großen Verbänden zusammenleben. Solche Otterarten kommen in Europa aber nicht vor, bei uns ist nur der Eurasische Fischotter heimisch. Die Tiere verteidigen ihr Revier gegenüber Geschlechtsgenossen, die Reviere von Männchen und Weibchen überschneiden sich. Die Rüden besetzen größere Reviere als die Fähen, weshalb in einem Männchenrevier meist mindestens zwei Weibchenreviere liegen.

So kann es maximal vorkommen, dass an einer Stelle (z.B. Teichanlage) 2 Otter (mit Jungtieren) auflaufen, durch die ausgedehnten Größen der Reviere aber immer nur kurzzeitig. Die Gesamtgröße solcher Otterreviere hängt stark von der Biotopqualität ab: wie gut ist die Dichte an Unterschlupfen und Versteckmöglichkeiten, wie ist die Nahrungsdichte, wie einfach kann Beute erjagt werden, wie störungsarm ist das Gebiet, wie stark zerschnitten von Strassen usw.! Am sinnvollsten wird die Reviergröße bei Ottern nicht in Quadratkilometern angegeben, sondern in Kilometer Flusslauf. Durch Telemetriestudien wurden Reviergrössen von bis zu 130km gefunden, am häufigsten zwischen 30-60km. Pro Nacht kann ein Fischotter 40km zurücklegen, was ihn als hochmobile Tierart ausweist.

Fortpflanzung

Photo by Wolfgang Willner
Bild: "Otter in Action"
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Die Tragzeit dauert 60-63 Tage. Ein Otter bekommt 1-3 Jungtiere, meist sind es zwei, wobei oft nicht beide Jungen durchkommen. Die Otterjungen werden noch sehr unterentwickelt geboren, sie wiegen nur etwa 200g, haben silbergraues Haar und geschlossene Augen. Mit ca. 3 Wochen öffnen sie die Augen, mit ca. 6 Wochen nehmen sie erstmals feste Nahrung auf und mit ca. 8 Wochen steht die erste Besichtung außerhalb des Baus an. Während dessen wird weder der Vater noch irgendein anderer Otter in der Nähe des Baus geduldet.

Photo by Dr. Katrin Ruff
Bild: "Neugeborener Otter"
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Weiterführende Literatur:

  • Czech Otter Foundation Fund (2006):
    Der Fischotter
    ein Symboltier der Feuchtlandschaften.
  • REUTHER, C. (1993):
    Der Fischotter
  • Lebensweise und Schutzmaßnahmen,
    Naturbuchverlag, ISBN 3-89440-110-9

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